Warum Aluminium eine besondere Behandlung erfordert
Aluminiumrümpfe von Booten und Motorbooten sind leicht, robust, aber beim Lackieren anspruchsvoll. Das Hauptproblem: Aluminium bildet an der Luft sofort eine Oxidschicht (Al₂O₃), die chemisch inert ist und keine Haftung durchlässt. Grundierung auf eine unbehandelte Oxidschicht auftragen — und der Lack löst sich innerhalb weniger Saisons ab, unabhängig vom Materialpreis.
Die zweite Gefahr ist galvanische Korrosion: Kommt Aluminium in Kontakt mit Kupfer, Stahl oder Bronze, entsteht ein galvanisches Element, und das Aluminium wird zerstört. Das ist keine Theorie — buchstäbliche Löcher im Rumpf nach ein bis zwei Wintern.
Dieser Artikel enthält ein reales technisches Verfahren auf Basis von Axalta-Materialien, das unter Produktionsbedingungen erprobt wurde.
Arbeitsbedingungen
- Lufttemperatur: +18…+25°C
- Untergrundtemperatur: nicht unter +15°C (und mindestens 3°C über dem Taupunkt)
- Luftfeuchtigkeit: bis 70%
- Arbeitsbereich: sauber, staubfrei, mit Zu- und Abluftventilation, ohne offene Flamme
Untergrundvorbereitung
- Alle Kratzer, Poren und Dellen beseitigen. Mit geeigneten Materialien spachteln, sorgfältig schleifen.
- Staub mit einem Industriesauger entfernen.
- Zweistufige Entfettung mit Antisilikontüchern. Mit einem fusselfreien Tuch trockenwischen.
⚠️ Auf keinen Fall alkalische Mittel für Aluminium verwenden — Lauge reagiert chemisch mit ihm und löst das Metall auf.
Nach dem Schleifen die Grundierung spätestens nach 2–3 Stunden auftragen: Die Oxidschicht bildet sich schnell neu.
Schritt 1. Grundierung — Axalta Cromax P7
Cromax P7 ist ein zweikomponentiger Epoxid-Füllgrundierung. Sie gewährleistet Haftung auf Aluminium, Korrosionsschutz und eine gleichmäßige Basis für den Decklack.
Mischung
| Komponente | Volumenverhältnis | Gewichtsverhältnis |
|---|---|---|
| Cromax P7 (Basis) | 5 | 100 |
| Aktivator P72 Epoxy Activator | 1 | 11 |
| Verdünner THP710 Standard | 1–2 (10–20%) | 10–20% |
Mit einem Rührwerk 3–5 Min. gründlich mischen. Durch einen 190–250 µm Filtertrichter filtern. Viskosität: 22–24 s DIN4 bei 20°C.
Geräteparameter
| Parameter | Airless (Hauptflächen) | HVLP/RP (Ecken, Stauräume) |
|---|---|---|
| Düse | 517 / 519 / 521 | 1,8–2,0 mm |
| Spritzstrahlwinkel | 50° | — |
| Pumpen- / Luftdruck | 160–220 bar | 1,8–2,0 bar |
| Abstand zur Oberfläche | 25–30 cm | 15–20 cm |
| Überdeckung der Bahnen | 60–70% | 60–70% |
Auftragungsreihenfolge
Innenfläche — Stauräume zuerst: Stauräume (Gepäckboxen) werden zuerst lackiert, da sich dort die meisten Ecken und Stöße befinden und das Risiko fehlender Deckung am größten ist. Technik: Pistole schräg nach unten richten; zunächst Ecken und Kanten, dann Flächen lackieren. Bewegungen — nur linear (vertikal oder horizontal), keine Kreisbewegungen.
Außenfläche — Bug → Seiten → Heck: Diese Reihenfolge hält die „nasse Kante” aufrecht, verhindert trockenen Overspray und gewährleistet gleichmäßige Schichtdicke über die gesamte Rumpflänge.
Schichten und Ablüftezeiten
| Schicht | Typ | Ablüften vor nächster |
|---|---|---|
| 1. | Leichte Abdeckschicht | 15 Min. |
| 2. | Vollständig geschlossene Schicht | — |
Kritische Airless-Regeln
- Nicht an einer Stelle verharren
- Abstand während der Bahn nicht verändern
- Besondere Aufmerksamkeit auf Schichtaufbau in Stauräumen — dort sammelt sich Material schneller
- Jede folgende Bahn überdeckt die vorherige um 60–70%
Schritt 2. Decklack — PercoTop CS449
PercoTop CS449 ist ein zweikomponentiger strukturierter Decklack. Beständig gegen Stöße, Kratzer, UV-Strahlung und Meeresumgebung.
Mischung
| Komponente | Volumen | Gewicht | Hinweise |
|---|---|---|---|
| PercoTop CS449 (Basis) | 4 | 5 | |
| Aktivator CS710 / CS711 / CS712 | 1 | 1 | Auswahl nach Temperatur: Fast/Standard/Slow |
| Verdünner CS600/CS610/CS620/CS630 | 10–20% | 10–20% | Viskositätskorrektur |
Viskosität: 16–18 s DIN4 bei 20°C. Filtern durch 125–190 µm. Topfzeit nach dem Mischen: ~2 Stunden bei +20°C.
Geräteparameter
| Parameter | Airless (Hauptflächen) | HVLP/RP (Stauräume, Ecken) |
|---|---|---|
| Düse | 411 / 413 / 415 | 1,3–1,4 mm |
| Spritzstrahlwinkel | 40–50° | — |
| Pumpen- / Luftdruck | 120–180 bar | 1,8–2,0 bar |
| Abstand zur Oberfläche | 25–30 cm | 15–20 cm |
| Überdeckung der Bahnen | 60–70% | 60–70% |
Schichten und Ablüftezeiten
| Schicht | Typ | Ablüften |
|---|---|---|
| 1. | Leichte Abdeckschicht | 10–12 Min. |
| 2. | Vollständig geschlossene Schicht | — |
Trockenfilmdicke (DFT): 50–70 µm. Auftragungsreihenfolge wie bei der Grundierung: Stauräume → Innenflächen → Außenrumpf (Bug → Seiten → Heck).
Trockenprogramme und Inbetriebnahme
| Phase | Zeit | Hinweis |
|---|---|---|
| Klebfreiheit (bei +20°C) | 30–40 Min. | Oberfläche klebt nicht, ist aber noch weich |
| Vorsichtiges Umsetzen | 6–8 Std. | Keine Belastung, kein Einbau |
| Vollständige Polymerisation (bei +20°C) | 24 Std. | Standardprogramm |
| Einbaubereit nach Warmhärtung | 1,5–2 Std. | Nach Warmhärtezyklus |
| Einsatz auf dem Wasser | nicht vor 48 Std. | Unabhängig vom Trockenprogramm |
Warmhärtung (Einbrennzyklus)
Zur Beschleunigung des Produktionszyklus lässt Axalta einen Einbrennmodus zu: 60°C × 30 Minuten.
⚠️ Kritische Bedingung: Die Warmhärtung darf nicht unmittelbar nach dem Lackauftrag erfolgen. Wird der Rumpf ohne Ablüftezeit in eine heiße Kammer gestellt, kochen die Lösemittel, entstehen Krater, Poren und Glanzverlust.
Richtige Reihenfolge:
- Ablüften bei +20°C — 10–15 Minuten (Lösemittelverdunstung)
- Kammer auf 60°C aufheizen
- 30 Minuten einbrennen
- Natürliches Abkühlen 20–30 Minuten
- Einbaubereit nach 1,5–2 Std.
Die Warmhärtung ist besonders wichtig bei großen Rümpfen: Ohne sie bleibt der Lack lange plastisch und wird beim Transport leicht beschädigt.
Antifouling für Aluminium
⚠️ Streng verboten: Antifoulings mit Kupfer(I)-oxid (Cu₂O) auf Aluminium aufzutragen. Kupfer + Aluminium = galvanisches Element; der Rumpf wird innerhalb von 1–2 Saisons zerstört.
Für Aluminiumrümpfe — ausschließlich kupferfreie Antifoulings auf Basis organischer Biozide (ECONEA, Zineb) oder Zinkverbindungen. Vor dem Antifouling — obligatorische EP-Isoliergrundierung, mindestens 2 Schichten. Antifouling 7–14 Tage vor dem Zuwasserlassen auftragen.
Schutz vor galvanischer Korrosion
- Nur Aluminium- oder Edelstahlbefestiger verwenden
- Zwischen ungleichen Metallen — Gummi- oder Kunststoff-Isolierscheiben
- Zinkanoden-Schutzplatten am Rumpf — jährlich ersetzen
Gesamtsystem — Übersichtstabelle
| Schicht | Produkt | DFT |
|---|---|---|
| 1. Grundierung (2 Schichten) | Axalta Cromax P7 + P72 Activator + THP710 | 2×40–50 µm |
| 2. Decklack (2 Schichten) | PercoTop CS449 + CS710/711/712 + CS6xx | 50–70 µm |
Für den Unterwasserbereich: Cromax P7 (2 Schichten) → kupferfreies Antifouling.
❓ Häufige Fragen
Welchen Aktivator für PercoTop CS449 wählen — CS710, CS711 oder CS712?▾
Warum darf das Boot nach dem Lackieren nicht sofort in eine heiße Kammer gestellt werden?▾
Warum darf man kein kupferhaltiges Antifouling auf Aluminium auftragen?▾
Warum müssen die Stauräume zuerst lackiert werden?▾
Kann das Boot früher als 48 Stunden nach dem Lackieren zu Wasser gelassen werden?▾
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