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Farben12 Min.📅 3. März 2026

Lackierung eines Aluminiumboots: Axalta Cromax P7 + PercoTop CS449 Technologie

Reales technisches Verfahren zur Lackierung eines Aluminiumrumpfs — von der Untergrundvorbereitung bis zur Warmhärtung. Axalta-System: Cromax P7 (Epoxidgrundierung) + PercoTop CS449 (strukturierter Decklack).

Warum Aluminium eine besondere Behandlung erfordert

Aluminiumrümpfe von Booten und Motorbooten sind leicht, robust, aber beim Lackieren anspruchsvoll. Das Hauptproblem: Aluminium bildet an der Luft sofort eine Oxidschicht (Al₂O₃), die chemisch inert ist und keine Haftung durchlässt. Grundierung auf eine unbehandelte Oxidschicht auftragen — und der Lack löst sich innerhalb weniger Saisons ab, unabhängig vom Materialpreis.

Die zweite Gefahr ist galvanische Korrosion: Kommt Aluminium in Kontakt mit Kupfer, Stahl oder Bronze, entsteht ein galvanisches Element, und das Aluminium wird zerstört. Das ist keine Theorie — buchstäbliche Löcher im Rumpf nach ein bis zwei Wintern.

Dieser Artikel enthält ein reales technisches Verfahren auf Basis von Axalta-Materialien, das unter Produktionsbedingungen erprobt wurde.

Arbeitsbedingungen

  • Lufttemperatur: +18…+25°C
  • Untergrundtemperatur: nicht unter +15°C (und mindestens 3°C über dem Taupunkt)
  • Luftfeuchtigkeit: bis 70%
  • Arbeitsbereich: sauber, staubfrei, mit Zu- und Abluftventilation, ohne offene Flamme

Untergrundvorbereitung

  1. Alle Kratzer, Poren und Dellen beseitigen. Mit geeigneten Materialien spachteln, sorgfältig schleifen.
  2. Staub mit einem Industriesauger entfernen.
  3. Zweistufige Entfettung mit Antisilikontüchern. Mit einem fusselfreien Tuch trockenwischen.

⚠️ Auf keinen Fall alkalische Mittel für Aluminium verwenden — Lauge reagiert chemisch mit ihm und löst das Metall auf.

Nach dem Schleifen die Grundierung spätestens nach 2–3 Stunden auftragen: Die Oxidschicht bildet sich schnell neu.

Schritt 1. Grundierung — Axalta Cromax P7

Cromax P7 ist ein zweikomponentiger Epoxid-Füllgrundierung. Sie gewährleistet Haftung auf Aluminium, Korrosionsschutz und eine gleichmäßige Basis für den Decklack.

Mischung

KomponenteVolumenverhältnisGewichtsverhältnis
Cromax P7 (Basis)5100
Aktivator P72 Epoxy Activator111
Verdünner THP710 Standard1–2 (10–20%)10–20%

Mit einem Rührwerk 3–5 Min. gründlich mischen. Durch einen 190–250 µm Filtertrichter filtern. Viskosität: 22–24 s DIN4 bei 20°C.

Geräteparameter

ParameterAirless (Hauptflächen)HVLP/RP (Ecken, Stauräume)
Düse517 / 519 / 5211,8–2,0 mm
Spritzstrahlwinkel50°
Pumpen- / Luftdruck160–220 bar1,8–2,0 bar
Abstand zur Oberfläche25–30 cm15–20 cm
Überdeckung der Bahnen60–70%60–70%

Auftragungsreihenfolge

Innenfläche — Stauräume zuerst: Stauräume (Gepäckboxen) werden zuerst lackiert, da sich dort die meisten Ecken und Stöße befinden und das Risiko fehlender Deckung am größten ist. Technik: Pistole schräg nach unten richten; zunächst Ecken und Kanten, dann Flächen lackieren. Bewegungen — nur linear (vertikal oder horizontal), keine Kreisbewegungen.

Außenfläche — Bug → Seiten → Heck: Diese Reihenfolge hält die „nasse Kante” aufrecht, verhindert trockenen Overspray und gewährleistet gleichmäßige Schichtdicke über die gesamte Rumpflänge.

Schichten und Ablüftezeiten

SchichtTypAblüften vor nächster
1.Leichte Abdeckschicht15 Min.
2.Vollständig geschlossene Schicht

Kritische Airless-Regeln

  • Nicht an einer Stelle verharren
  • Abstand während der Bahn nicht verändern
  • Besondere Aufmerksamkeit auf Schichtaufbau in Stauräumen — dort sammelt sich Material schneller
  • Jede folgende Bahn überdeckt die vorherige um 60–70%

Schritt 2. Decklack — PercoTop CS449

PercoTop CS449 ist ein zweikomponentiger strukturierter Decklack. Beständig gegen Stöße, Kratzer, UV-Strahlung und Meeresumgebung.

Mischung

KomponenteVolumenGewichtHinweise
PercoTop CS449 (Basis)45
Aktivator CS710 / CS711 / CS71211Auswahl nach Temperatur: Fast/Standard/Slow
Verdünner CS600/CS610/CS620/CS63010–20%10–20%Viskositätskorrektur

Viskosität: 16–18 s DIN4 bei 20°C. Filtern durch 125–190 µm. Topfzeit nach dem Mischen: ~2 Stunden bei +20°C.

Geräteparameter

ParameterAirless (Hauptflächen)HVLP/RP (Stauräume, Ecken)
Düse411 / 413 / 4151,3–1,4 mm
Spritzstrahlwinkel40–50°
Pumpen- / Luftdruck120–180 bar1,8–2,0 bar
Abstand zur Oberfläche25–30 cm15–20 cm
Überdeckung der Bahnen60–70%60–70%

Schichten und Ablüftezeiten

SchichtTypAblüften
1.Leichte Abdeckschicht10–12 Min.
2.Vollständig geschlossene Schicht

Trockenfilmdicke (DFT): 50–70 µm. Auftragungsreihenfolge wie bei der Grundierung: Stauräume → Innenflächen → Außenrumpf (Bug → Seiten → Heck).

Trockenprogramme und Inbetriebnahme

PhaseZeitHinweis
Klebfreiheit (bei +20°C)30–40 Min.Oberfläche klebt nicht, ist aber noch weich
Vorsichtiges Umsetzen6–8 Std.Keine Belastung, kein Einbau
Vollständige Polymerisation (bei +20°C)24 Std.Standardprogramm
Einbaubereit nach Warmhärtung1,5–2 Std.Nach Warmhärtezyklus
Einsatz auf dem Wassernicht vor 48 Std.Unabhängig vom Trockenprogramm

Warmhärtung (Einbrennzyklus)

Zur Beschleunigung des Produktionszyklus lässt Axalta einen Einbrennmodus zu: 60°C × 30 Minuten.

⚠️ Kritische Bedingung: Die Warmhärtung darf nicht unmittelbar nach dem Lackauftrag erfolgen. Wird der Rumpf ohne Ablüftezeit in eine heiße Kammer gestellt, kochen die Lösemittel, entstehen Krater, Poren und Glanzverlust.

Richtige Reihenfolge:

  1. Ablüften bei +20°C — 10–15 Minuten (Lösemittelverdunstung)
  2. Kammer auf 60°C aufheizen
  3. 30 Minuten einbrennen
  4. Natürliches Abkühlen 20–30 Minuten
  5. Einbaubereit nach 1,5–2 Std.

Die Warmhärtung ist besonders wichtig bei großen Rümpfen: Ohne sie bleibt der Lack lange plastisch und wird beim Transport leicht beschädigt.

Antifouling für Aluminium

⚠️ Streng verboten: Antifoulings mit Kupfer(I)-oxid (Cu₂O) auf Aluminium aufzutragen. Kupfer + Aluminium = galvanisches Element; der Rumpf wird innerhalb von 1–2 Saisons zerstört.

Für Aluminiumrümpfe — ausschließlich kupferfreie Antifoulings auf Basis organischer Biozide (ECONEA, Zineb) oder Zinkverbindungen. Vor dem Antifouling — obligatorische EP-Isoliergrundierung, mindestens 2 Schichten. Antifouling 7–14 Tage vor dem Zuwasserlassen auftragen.

Schutz vor galvanischer Korrosion

  • Nur Aluminium- oder Edelstahlbefestiger verwenden
  • Zwischen ungleichen Metallen — Gummi- oder Kunststoff-Isolierscheiben
  • Zinkanoden-Schutzplatten am Rumpf — jährlich ersetzen

Gesamtsystem — Übersichtstabelle

SchichtProduktDFT
1. Grundierung (2 Schichten)Axalta Cromax P7 + P72 Activator + THP7102×40–50 µm
2. Decklack (2 Schichten)PercoTop CS449 + CS710/711/712 + CS6xx50–70 µm

Für den Unterwasserbereich: Cromax P7 (2 Schichten) → kupferfreies Antifouling.

Häufige Fragen

Welchen Aktivator für PercoTop CS449 wählen — CS710, CS711 oder CS712?
Die Wahl hängt von der Temperatur in der Spritzkabine ab: CS710 (Fast) — unter +15°C oder bei großen Arbeitsmengen; CS711 (Standard) — +15…+25°C, die optimale Wahl; CS712 (Slow) — über +25°C oder bei langsamen Trockenbedingungen. Der Aktivator beeinflusst direkt Topfzeit und Trockenzeit.
Warum darf das Boot nach dem Lackieren nicht sofort in eine heiße Kammer gestellt werden?
Die Lösemittel im frischen Lackfilm sind noch nicht verdunstet. Bei plötzlicher Erwärmung kochen sie und brechen durch den noch weichen Film — es entstehen Krater, Poren und Blasen. Regel: obligatorisches Ablüften 10–15 Minuten bei +20°C, bevor die Kammer auf 60°C aufgeheizt wird.
Warum darf man kein kupferhaltiges Antifouling auf Aluminium auftragen?
Kupfer und Aluminium bilden in Meerwasser ein galvanisches Element. Aluminium ist dabei die Anode — es löst sich auf. Das Ergebnis: Durchgangslöcher im Rumpf innerhalb von 1–2 Saisons. Für Aluminium nur kupferfreie Antifoulings verwenden — auf Basis von ECONEA, Zineb oder Zinkverbindungen.
Warum müssen die Stauräume zuerst lackiert werden?
Stauräume (innere Gepäckboxen) sind die anspruchsvollsten Bereiche: viele Ecken, Kanten und schwer zugängliche Stöße. Beginnt man mit dem Außenrumpf, verunreinigt der Overspray aus den Stauräumen die frisch lackierten Flächen. Zudem ist es in Stauräumen leichter, Bereiche zu übersehen. Grundsatz: erst Kompliziertes, dann Einfaches.
Kann das Boot früher als 48 Stunden nach dem Lackieren zu Wasser gelassen werden?
Nein. 48 Stunden ist die Mindestzeit bis zum Wasserkontakt, unabhängig vom Trockenprogramm (Normaltrocknung oder Warmhärtung). Auch nach einem Einbrennzyklus — wenn das Boot nach 1,5–2 Std. einbaubereit ist — ist eine zusätzliche Wartezeit bis 48 Std. erforderlich. Frühzeitiger Wasserkontakt vermindert die Haftung und schädigt den noch nicht vollständig vernetzten Film.

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